Liebe Gemeindeglieder und Freunde der Kirchgemeinde,

da liegen sie, die Baumstämme, abgeschnitten sind sie. Entweder drohten sie, ihren Halt zu verlieren oder wurden gefährlich. Als Baum wurden sie nicht mehr gebraucht oder geduldet. Nun liegen sie hier, nach einem klaren Schnitt kleingemacht. Manch einer, wenn er dieses Bild auf der Titelseite des Gemeindeblattes sieht, kennt vielleicht das Gefühl des abgeschnittenen Baumes von sich selbst oder von einem vertrauten Menschen. Da hatte man persönlich solch prächtige Pläne, und dann werden diese einfach gekappt. Da kommt es zu herben Einschnitten, z.B. in der beruflichen Entwicklung, in der Gesundheit, in Beziehungen. Wenn wir Menschen Misserfolge erleben, Enttäuschungen, Trennungen oder den Tod hinnehmen müssen, dann fühlen wir uns manchmal wie ein abgehauener Baum. Es scheint, als sind die Wurzeln gekappt. Wie nutzlos fühlt man sich, unfähig den Herausforderungen dieser Situation standhalten zu können. Man hat das Gefühl, als bekommt man nie wieder Halt unter den Füßen.

In solchen Situationen sind mir Bibelworte wie eine Kraftquelle, aus der ich schöpfe und an denen ich mich festhalte. Eine solche Kraftquelle ist für mich auch die diesjährige Jahreslosung. Sie steht im 2. Korintherbrief im 14. Kapitel. Da heißt es: „Jesus Christus spricht: Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ Paulus hatte das Gefühl, Jesus selbst hätte diesen Satz zu ihm gesprochen. Er sagt ihn heute auch uns weiter. Auch Paulus war ein Mensch, der Misserfolge, Krankheit und Schwachheit kannte. Er wäre gern viel brillanter gewesen, als er es war. Doch diesem Paulus sagt Jesus: `Vertraue nicht auf deine eigene Kraft, auf dein Können allein. Verlass dich ganz auf mich und schöpfe deine Kraft bei mir. Gerade wenn du schwach bist, bin ich dir besonders nahe.

Haben Sie auch schon einmal solch eine Erfahrung gemacht, dass Ihnen in Momenten, in denen Sie sich besonders schwach gefühlt haben, eine Kraft zugewachsen ist, die Sie so nicht vermutet haben?

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass ich es bisher in allen leidvollen Situationen meines Lebens erfahren habe, dass Gott mir gerade in solchen Zeiten besonders nahe gekommen ist. Und manchmal hatte ich das Gefühl, dass sich genau das in meinem Leben ereignet, was als Bild auf der Titelseite zu

sehen ist: etwas wurde gekappt und verging, aber inmitten aller Enttäuschung oder Traurigkeit wuchs neue Hoffnung wie aus dem abgeschnittenen Baum die neuen Triebe.

Gott schenke uns auch im vor uns liegenden Jahr, die Kraft, die wir für alle

Herausforderungen brauchen. Wenn wir uns ihm öffnen, wenn wir uns ihm so entgegenstrecken, wie die jungen Triebe des Baumes dem Licht, dann kommt er uns auch ganz nahe.

Ich grüße Sie herzlich.

Ihre Pfarrerin

Gisela Merkel-Manzer


zum Anfang - Startseite - Autor: Christian Haufe - Stand: 25.02.2012